Dressurreiten
Das Dressurreiten ist die Grundlage des Reitsports. Ohne geht es einfach nicht. Genau genommen könnte man Dressurreiten auch als Gymnastizieren des Pferdes bezeichnen. Das Dressurreiten beginnt also schon beim einfachen Schrittreiten auf dem Reitplatz.
Themenübersicht:
1. Grundlagen Pferd
1.1 Ausbildungsskala nach FN
1.2 Gangarten
1.3 Geeignete Rassen
2. Turnierreiten
3. Grundlagen Reiter
1. Grundlagen Pferd
1.1 Ausbildungsskala nach FN
Das Ziel beim Dressurreiten ist es, das Pferd in absoluter Durchlässigkeit zu reiten. Dabei teilt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (kurz FN) die Ausbildungsskala eines Pferdes in sechs Phasen:
- Takt
Zeitliches und räumliches Gleichmaß der Bewegungen in allen Gangarten des Pferdes
- Losgelassenheit
Das Pferd schwingt über den Rücken, an- und abspannen sind ohne Verkrampfung und Zwanglos. Dabei wird in äußerer und innerer Losgelassenheit unterschieden. Die innere Losgelassenheit ist der psychischen Entspannung gleichzusetzen, die äußere hingegen der physischen.
- Anlehnung
Bezeichnet die stetige, weiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. Die Bewegung sollte schwingend sein. Durch taktgleiches so wie losgelassenem Vorwärtsgehen soll das Pferd die Anlehnung an das Gebiss von ganz alleine suchen und nicht etwa durch Zwang heran gezogen werden.
- Schwung
Eine energische Hinterhand fußt zuerst ab und bringt die Bewegung in das Pferd. Der Schwung aus der Hinterhand ist für alle korrekten Bewegungsabläufe notwendig.
- Geraderichten
Die Längsachse des Pferdes ist der gerittenen Linie angepasst. Vorder- und Hinterhand sind aufeinander ein gespurt.
- Versammlung
Die Last wird vermehrt auf der Hinterhand aufgenommen bei stärker gebeugten Hanken. Die Bewegung bekommt dadurch eine stärkere bergauf Tendenz.
- Durchlässigkeit
Das Endziel der Ausbildungsskala ist es, dass das Pferd alle Hilfen gehorsam und zwanglos annimmt.
1.2 Gangarten
Die typischen Gangarten des Pferdes werden in Schritt, Trab und Galopp unterteilt. Diese Gangarten sind Grundlage der Dressur und werden auch auf allen Turnieren in allen Klassen abgefragt. Dabei gibt es weitere Unterteilungen der einzelnen Gangarten.
Schritt:
Der Schritt ist die ruhigste Gangart des Pferdes. Sie besitzt keine Schwebephase und ist eine Viertaktgangart. Keine Schwebephase bedeutet, dass immer nur ein Fuß bewegt wird. In der Reihenfolge vorne – hinten – vorne – hinten bewegt sich das Pferd im ruhigen Tempo langsam voran.
Dabei wird weiter unterschieden in Mittelschritt, versammelter und starker Schritt.
Mittelschritt wird bereits in den unteren Klassen verlangt und beschreibt einen ordentlichen Schub aus der Hinterhand und keine durch den Sand schlürfenden Hufe.
Versammelter und starker Schritt werden erst in höheren Klassen verlangt.
Der starke Schritt soll mehr Raumgriff besitzen. Der Hinterhuf schiebt deutlicher nach und setzt über den Abdruck des Vorderfußes auf dem Boden aus. Dies nennt man auch Rahmenerweiterung. Das Tempo hebt sich nicht an, nur die natürliche Nickbewegung des Pferdekopfes nimmt zu und die Schritte werden ausgreifender.
Beim versammelten Schritt ist es das Ziel, dass das Pferd die Last auf die Hinterhand aufnimmt und dadurch erhabenere und kürzere Schritte zeigt – also versammelt. Die bloße Verkürzung der Schritte ist dabei nicht erwünscht. Der versammelte Schritt ist am schwersten zu reiten und gehört nur in erfahrene Reiterhände.
Trab:
Im Trab schwingt das Pferd die diagonalen Beinpaare gemeinsam nach vorne. Der Trab ist somit eine Zweitaktgangart, die relativ zügig ist und eine Schwebephase zwischen den Bodenberührungen enthält. Der Trab wird entweder aussitzend oder leicht trabend geritten. Beim Aussitzen bleibt der Reiter während der gesamten Phase im Sattel sitzen, beim leicht traben steht er jeden Takt auf und setzt sich im nächsten wieder gefühlvoll in den Sattel. Aufgestanden wird immer, wenn das äußere Vorderbein nach vorne tritt. Hierbei spricht man von „auf dem richtigem Hufschlag leichttraben“
Der Trab wird ebenfalls weiter eingeteilt. Arbeitstrab, Mitteltrab, starker Trab und versammelter Trab. Der Arbeitstrab ist der normale schwungvolle Trab des Pferdes, wie es die Gangart generell auch ausführt. Im Mitteltrab wird der Raumgriff um einiges erweitert, die Schwebephase dauert dadurch länger, der Trab selber wird jedoch nicht schneller. Ziele beim starken Trab und versammelten Trab sind identisch mit denen im Schritt.
In der hohen Schule gibt es noch weitere Unterteilung in die Piaffe – das Pferd trabt auf der Stelle und die Passage – gehobene Beinpaare, stärkerer Ausdruck und dadurch gehobene Schwebephase. Man meint das Pferd „tanzt“.
Galopp:
Beim Galopp ist man sich nicht hundert prozentig Einig, ob es sich um einen Drei- oder Viertackt handelt. Nach den neusten Messungen ist der Unterschied so gering, dass es jedoch keinerlei Auswirkungen hat. Der Takt ist überwiegend von der gerittenen Geschwindigkeit abhängig. Beim normalen Dressurreiten ist der Galopp durchaus eine dreitackt Gangart, bei der immer 3 Beine in der Luft ist während eines am Boden bleibt. Auf der rechten Hand geritten (Bande auf der linken Schulterseite) ist die Bewegungsfolge links hinten – links vorne – rechts hinten – rechts vorne. Der Galopp wird genau so wie der Trab unterteilt, abgesehen von der Piaffe und der Passage. Im Galopp gibt es als erhöhten Schwierigkeitsgrad dafür den Galoppwechsel (einfach oder fliegend) und den Außengalopp.
1.3 Geeignete Rassen
Für das Dressurreiten eignen sich generell alle Pferderassen und es ist auch notwendig (egal ob Springpferd oder Freizeitpferd) das Pferd in der Dressur zu fördern. Wenn Sie Turnierambitionierter Dressurreiter sind, ist individuell auf Exterieur und natürliche Bewegungen des Pferdes zu achten. Man sollte sich vorab fragen, welche Klasse des Dressurreitens man erreichen möchte. In den niedrigeren Klassen kann tendenziell jedes Pferd gehen, welches regelmäßig aktiv gymnastiziert wird. Generell sollte jedes Pferd in der Lage sein mindestens eine A Dressur zu gehen.
Ab der L Dressur kommt es nun nicht mehr nur auf das können an sich an, sondern auch wie die Aufgaben ausgeführt werden. Oftmals wird auch das Gebäude des Pferdes schon beurteilt. Ein Pferd mit gutem Gangwerk hat in einer L Dressur mehr Chancen als ein Pony mit kurzen Schritten, daher sollte ab den höheren Klassen ein Warmblut bevorzugt werden. Dressurpferde sind athletische gut bemuskelte Pferde mit einem von Natur aus gutem Raumgriff.
2. Turnierreiten
Um auf Turnieren starten zu dürfen muss der Reiter in einem Reitverein angemeldet sein. In den unteren Klassen startet man nach den Prüfungsregeln der WBO, in höheren Klassen nach LPO. Das Reglement ist bei den jeweiligen Vereinigungen zu bekommen. In höheren Klassen benötigt der Reiter zusätzliche Abzeichen die ihm Leistungsklassen geben. Informationen zu den jeweiligen Abzeichen gibt es bei der FN oder im eigenen Reitverein.
Reiterwettbewerbe:
Unterste Klasse, wird nach WBO geritten. Das Pferd muss lediglich Schritt und Trab und Galopp beherrschen. In Reiterwettbewerben ohne Galopp bleibt dieser aus. Gewertet werden der Sitz und das Lenkvermögen des Reiters. Reiterwettbewerbe dürfen mit Ausbindern geritten werden.
E Dressur:
Die E Dressur wird teilweise nach WBO, teilweise nach LPO geritten. Dies ist von dem Turnierveranstalter abhängig. Meistens ist die E Dressur für LK 0 und LK 6 ausgeschrieben. In der normalen E Dressur sind keine Ausbinder mehr gestattet, der Reiter sollte in der Lage sein das Pferd in Anlehnung und taktmäßig zu reiten. Gefühlvolle Sitzeinwirkung ist in der E Dressur das A und O, ebenso die Harmonie zwischen Reiter und Pferd. Auch in der E Dressur wird überwiegend der Reitersitz benotet. Als Gangarten sind Mittelschritt, Trab und Galopp vorausgesetzt, ebenso wie diverse Bahnfiguren. Geritten wird in einer Abteilung von 3-4 Reitern. Nur selten gibt es Sonderveranstaltungen in der eine Kür möglich ist.
A Dressur:
Ab der A Dressur wird nur noch nach LPO geritten. Fortan sind Leistungsklassen vorausgesetzt, die der Reiter vorweisen muss, ebenso wie seine Registrierung als Turnierreiter bei der FN.
Voraussetzung in der A Dressur ist ein guter Reitersitz, der Gefühlvoll aufs Pferd einwirkt. Das Pferd muss Mittelschritt, Arbeitstrab, Mitteltrab, Arbeitsgalopp und Mittelgalopp beherrschen. Ab der A Dressur werden auch erste Lektionen abgefragt wie das Rückwärtsrichten, Viereck verkleinern und vergrößern und einfacher Galoppwechsel. Generell wird in der A Dressur in der Abteilung geritten, kann aber auch als Kür ausgeschrieben sein.
L Dressur:
Wird entweder auf Trense oder Kandare geritten. Ab der L Dressur wird nur noch einzeln nach Aufgabe oder Kür geritten. Der Reiter benötigt LK 5, diese Leistungsklasse erhält er durch das Absolvieren des Reitabzeichen Klasse III.
Hier werden alle Gangarten verlangt, ebenso wie die Versammlung in allen drei Gangarten. Als Lektionen kommen Außengalopp, Kurzkehrt und die Hinterhandwendung dazu.
M Dressur:
Die M Dressur wird nur noch auf Kandare geritten. Der Sprung von L auf M ist enorm, da nun nicht nur alle Verstärkungen und Versammlungen abgefragt werden, sondern einige neue Lektionen dazukommen.
Seitengänge wie Traversalen, Travers, Renvers und Schulterherein werden abgefragt. Ebenso neu sind die fliegenden Galoppwechsel und Schrittpirouetten. Ebenso können auch Lektionen aus der L Dressur abgefragt werden. Eine M Dressur ist sehr anspruchsvoll und verlangt von Reiter und Pferd eine harmonische Darbietung mit viel Schwung.
S Dressur:
Die S Dressur ist die höchste aller Klassen. Zu den Lektionen aus der M Dressur kommen noch die Pirouette im Galopp so wie einer- und zweier-wechsel beim Galopp. Darüber hinaus werden auch die Piaffe und Passage abgefragt. Die S Dressur wird in 5 Kategorien eingestuft:
Intermediäre I und II
Sankt Georg
Grand Prix Spezial
Grand Prix Kür
In der S Dressur werden keine Wertnoten von 1 bis 10 sondern Punkte vergeben.
3. Grundlagen Reiter
Ein ruhiger, gelassener Reiter ist das A und O beim Dressurreiten. Sie müssen nicht perfekt sein, wenn Sie das erste Mal auf ein Pferd steigen - es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber ein gewisses Talent und die Einfühlsamkeit sollten vorhanden sein. Wichtig ist der korrekte Reitersitz, den Sie am Besten an der Sitzlonge auf einem soliden Schulpferd lernen. Wenn Sie den Grundsitz soweit beherrschen, können Sie weitere Schritte gehen und entweder in der Abteilung oder Einzelunterricht nehmen. Je nach dem wie schnell sie vorankommen möchten, sollten Sie ihre Ausbildung wählen. Informieren Sie sich über gute Reitschulen und/oder Reitlehrer in Ihrer Umgebung. Wie lange der Weg nach oben dauert, und wie weit Sie kommen hängt von Ihrem Ehrgeiz, Ihrem Können und Ihrem Pferd ab. Nicht jedes Pferd kann eine S Dressur gehen, bei vielen Pferden hört das Talent einfach ab einem gewissen Stand auf. Dies kann am Gebäude oder am fehlenden Ausdruck im Gang liegen. Dazu kommt, dass Reiten ohnehin ein finanzieller Faktor ist, und nicht für jedermann gleich bezahlbar. Ein gutes durchlässiges Dressurpferd haben Sie jedoch schon, wenn es der Ausbildungsskala entspricht und Ihren persönlichen Anforderungen genügt. Jedes Pferd, auch Spring- und Freizeitpferde sollten ordentlich in der Dressur gearbeitet werden. Das Dressurreiten ist unerlässlich für Muskulatur und Gesundheit des Pferdes. Wenn Sie Ihrem Pferd also etwas Gutes tun wollen – auch wenn das Pferd es oftmals nicht als solches empfindet – machen Sie vernünftige Dressurarbeit, denn Dressurreiten ist die Grundlage des Reitens.
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