Distanzreiten
Die Geschichte
Zu Zeiten, als es noch keine Autos, Flugzeuge, Busse und Züge gab, war das Pferd nicht nur das wichtigste Transportmittel und Arbeitstier für den Menschen, sondern es machte auch die Überbringung von Nachrichten möglich. Das erste gut funktionierende Kommunikationssystem gab es im alten Persien, dem heutigen Iran. Poststationen, die an einem Tag angeritten werden konnten, ermöglichten die Nachrichtenübermittlung. Auch in der Mongolei führte Dschingis Kahn ein Postsystem ein. Die Reiter legten pro Tag 240 Kilometer zurück.
Der berühmte Pony-Express in den USA beschäftigte einhundert Reiter für eine Strecke von 3.200 Kilometern. Für eine Zeitspanne von zehn Tagen wurden vierhundert Pferde eingesetzt. Der bekannteste Reiter war Buffalo Bill.
Heute ist „Endurance Riding“ (Ausdauer-Reiten) ein Pferdesport, der seit 1969 in Deutschland Distanzreiten heißt. Dem 1979 gegründeten Verein Deutscher Distanzreiter ist der Tierschutz das Allerwichtigste.
Distanzreiten – was ist das
Pferd und Reiter müssen eine Strecke zwischen 39 bis maximal 160 Kilometern auf einer fest gelegten Strecke durch verschiedene Geländeformen in einem vorgeschriebenen Durchschnittstempo bewältigen, ohne dass das Pferd während des Ritts oder im Ziel einen verletzten oder erschöpften Eindruck macht und sein Puls nicht höher als 64 Schläge pro Minute ist. Gemessen wird zwanzig Minuten nach dem das Ziel erreicht wurde. Das Pferd mit der niedrigsten Puls- und Atemfrequenz gewinnt.
Teilnahmebedingungen
Jedes gesunde Pferd ab fünf Jahren darf teilnehmen, unabhängig von der Rasse.
Die Informationen für die bundesweit stattfindenden Distanzritte erfährt man beim Verein Deutscher Distanzreiter ( VDD) in Hattingen. Unterlagen für die Ausschreibung, die über die Strecke und die Art der Wege informiert, fordert man bei dem jeweiligen Veranstalter an. In den Veranstaltungsunterlagen sind die Teilnahmebedingungen aufgelistet, zum Beispiel, wie alt das Pferd und der Reiter ein müssen, dass keine Sporen benutzt werden dürfen, dass das Zaumzeug das Pferd nicht einengen darf und wie viel Zeit für eine Strecke zur Verfügung steht.
Der Gesundheitsscheck der Pferde
Vor kurzen Distanzritten werden die Pferde vor dem Start genau untersucht.
Vor längeren Strecken findet der Gesundheitsscheck bereits einen Tag zuvor statt.
Die Veterinäre begutachten Körperbau, Beine, Zahnfleisch, Satteldruckstellen, Rückenempfindlichkeiten, Gang. Atmung und Puls. Der maximal zugelassene Puls liegt bei 64 Schlägen. Ist mit dem Pferd etwas nicht in Ordnung, bekommt der Reiter keine Starterlaubnis.
Die Voraussetzungen des Pferdes
Am Distanzreiten nehmen Pferde aller Rassen teil. Um Erfolg zu haben, brauchen die Pferde Eigenschaften wie Mut, Nervenstärke, Vorwärtsdrang, Anpassungsfähigkeit, Schnelligkeit, Ausdauer, Kampfgeist und das Talent, sich immer und überall entspannen zu können.
Die Ausrüstung des Reiters
In Europa trägt man beim Distanzreiten einen Schutzhelm und Reitstiefel. Sporen sind nicht erlaubt. Kleidervorschriften gibt es nicht, jeder darf anziehen was er möchte. Eine regenfeste Jacke für schlechtes Wetter, und Baumwollkleidung für heiße Tage sind empfehlenswert. Nicht vergessen werden darf die Wasserflasche, die Karte, ein Kompass, ein Handy, die Rittanweisungen, ein Taschenmesser, Verbandszeug, Schmerzmittel, Mückenschutz Sonnenschutz und Handschuhe.
Die Ausrüstung für das Pferd besteht aus einem kompletten Sattel, Ersatzbügelriemen, Ersatzgurten, Halfter, Zaumzeug, Satteldecken und Vorderzeug.
Der Start
Bei Einführungsritten (39 km) und kurzen Distanzritten (59 km) dürfen höchstens dreißig Reiter antreten. Alle drei Minuten starten ein, höchstens drei Reiter. Bei längeren Ritten, von 79 bis 160 Kilometern, starten alle Reiter gemeinsam, jeder, wie er möchte, im Schritt oder Trab.
Die Teilstrecken
Die erste Strecke ist für Pferd und Reiter die schwierigste, weil sich beide erst aufwärmen müssen um in Schwung zu kommen. Die Wege sind sehr gut markiert, mit Fähnchen und weißen Kalkpunkten.
Nach jeder Teilstrecke von zehn Kilometern wird das Pferd von einem Veterinär untersucht. Im Fachjargon sagt man Vet-Check. Das Pferd darf keine Verletzungen haben und der Puls muss unter 64 liegen.
Wie sich der Reiter das Tempo der Strecke einteilt, bleibt ihm überlassen. Er muss sich an die vorgeschriebenen Durchschnittszeiten halten, sich aber mit dem Pferd der Bodenbeschaffenheit anpassen. Im Gebirge verlieren die Reiter Zeit, die sie wieder einholen, wenn die Strecke besser wird. Viele Reiter steigen zwischenzeitlich bei starkem Gefälle oder Steigungen vom Pferd ab, um das Tier zu entlasten. Auch kurz vor den Vet-Checks machen Distanz-Reiter gern eine Pause, um ihr Pferd zu beruhigen und abzukühlen.
Distanzreiter brauchen einen Betreuer
Der Erfolg beim Distanzreiten auf längeren Strecken hängt wesentlich von dem Betreuer ab, der sich zwischenzeitlich um das Pferd kümmert. Er hilft bei den Vorbereitungen zum Start und wartet an abgemachten Punkten auf der Strecke, um das Pferd zu versorgen. Die Pausen dauern bei langen Strecken 40 Minuten. Der Betreuer sattelt das Pferd ab, kühlt es mit Wasser bis der Puls wieder 64 Schläge hat, füttert und tränkt es. Hat das Pferd sich erholt, wird wieder aufgesattelt, und es geht weiter. Die Distanzreiter nennen ihre Betreuer Trosser.
Das Ziel beim Distanzreiten
Der Reiter soll sein Pferd so ans Ziel bringen, dass es noch Kraft genug hat, etliche Kilometer weiter zu laufen. Zwanzig Minuten nach Einlauf wird das Pferd von Tierärzten von oben bis unten untersucht. Ist diese Kontrolle positiv verlaufen, erfolgt zwei Stunden später noch einmal eine Nachuntersuchung.
Die Siegerehrung findet erst dann statt, wenn der letzte Reiter eingelaufen ist.
Der Distanzsport ist pferdefreundlich
Der Distanzsport ist tiergerecht und pferdefreundlich, wird bei jeder Wetterlage in der Natur ausgeübt und verwirklicht ein Vertrauensverhältnis zwischen Pferd und Reiter, wie es in mancher Partnerschaft zwischen Mann und Frau kaum möglich erscheint. Im Laufe der Zeit weiß der Reiter ganz genau, was sein Pferd aufregt und wie er es beruhigen kann. Es wird erzählt, dass einige Pferde, die Distanzritt-Erfahrungen haben, ihren Reiter bei der Orientierung auf der Strecke unterstützen, indem sie selbst nach den weißen Kalkmarkierungen suchen.
Distanzreiten ist kein leichter Sport, der sehr viel Training erfordert, um den Anforderungen gerecht zu werden. Dazu gehört auch die artgerechte Pferdehaltung, die gesunde Fütterung, viel Weidegang und Pflege. Bei jedem Ritt lernen sich Pferd und Reiter besser kennen. Dazu kommen die landschaftlichen Erlebnisse, die immer wieder neue Reize bieten.
Der Distanzsport leitet dazu an, ganz korrekt mit dem Pferd umzugehen, es nicht zu überfordern, es nicht zu quälen und auszulaugen sonder es das tun zu lassen, was es am liebsten macht, in der freien Natur laufen.
Ihr Reiten.biz - Team
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